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Expositionsverzeichnis

Umgang mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsschädigenden Gefahrstoffen

Krebserzeugende Stoffe sind allgegenwärtig, auch am Arbeitsplatz, dabei lässt sich der Kontakt zu karzinogenen Stoffen nicht immer vermeiden.

Nach der Belastung des Körpers mit krebserzeugenden Substanzen vergehen durchschnittlich 40 Jahren bis Krebserkrankungen auftreten. Wird der Umgang der Beschäftigten mit krebserzeugenden, keimzellmutagenen und fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen nicht dokumentiert, lässt sich ein Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und einer möglichen Belastung am Arbeitsplatz kaum erkennen. Daher fordert die Gefahrstoffverordnung seit Jahren eine Dokumentation beim Umgang mit solchen Gefahrstoffen, sofern eine Gefährdung für die Beschäftigten vorliegt. Die Technische Regel für Gefahrstoffe 410, erläutert die Pflichten des Arbeitgebers und die Kriterien für eine Aufnahme bzw. Nichtaufnahme in das Expositionsverzeichnis.

TRGS 410

  • Der Arbeitgeber hat ein aktualisiertes Verzeichnis der Beschäftigten zu führen, die Tätigkeiten mit krebserzeugenden und keimzellmutagenen Gefahrstoffen der Kategorien 1A und 1B ausüben und bei denen eine Gefährdung der Gesundheit oder der Sicherheit besteht.
  • Grundlage für die Aufnahme in das Expositionsverzeichnis ist das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung für diese Tätigkeiten und Arbeitsplätze gemäß TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“.
  • Arbeitgeber und andere Verantwortliche im Arbeitsschutz erhalten durch das Expositionsverzeichnis einen Überblick über Beschäftigte, die Umgang mit krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen haben.
  • Es lässt keinen unmittelbaren Rückschluss auf das individuelle Risiko des einzelnen, im Verzeichnis aufgeführten Beschäftigten zu, weist aber Informationen über entsprechende Expositionen in dessen Arbeitsleben auf.

 

Prüfen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung

Beim Umgang mit krebserzeugenden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsschädigenden Gefahrstoffen gelten besondere Pflichten. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss geprüft werden ob die Exposition gefährdend ist. Liegt eine Gesundheitsgefährdung vor, ist dies in einem Expositionsverzeichnis zu dokumentieren.

Die DGUV führt eine aktuelle Liste der karzinogenen, keimzellmutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (KMR-Stoffe) die man zur fachkundigen Ermittlung heranziehen sollte:

Wenn Sie Hilfe bei der individuellen Einschätzung benötigen wenden Sie sich bitte an die Betriebsärztliche Dienststelle oder an das Sachgebiet Arbeitssicherheit.

 

Zentrale Expositionsdatenbank (ZED)

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) stellt mit der Zentralen Expositionsdatenbank (ZED) ein kostenloses Instrument zur Verfügung, mit der die Dokumentationspflicht einfach und komfortabel erfüllt werden kann. In der ZED werden Daten über die Exposition von Beschäftigten, die durch Tätigkeiten mit KMR-Stoffen der Kategorien 1A und 1 B gefährdet sind, erfasst. Die Daten unterliegen dem Sozialgeheimnis. Dritte haben keinen Zugang zu den Daten. Durch die Dokumentation in der ZED sind die Daten dauerhaft gesichert, unabhängig davon, ob ein Betrieb noch existiert oder die Beschäftigten den Arbeitgeber wechseln. Die DGUV übernimmt die Archivierungsverpflichtung der Unternehmen von 40 Jahren nach Ausscheiden aus dem Betrieb.

Auf Wunsch des Unternehmens können die in der ZED erfassten Daten auch für das Angebot nachgehender arbeitsmedizinischer Vorsorge durch den Organisationsdienst für nachgehende Untersuchungen (ODIN) bei der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) sowie durch die Gesundheitsvorsorge (GVS) bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) genutzt werden. Dieser Nutzung muss die beschäftigte Person zustimmen, das Unternehmen muss diese ausdrückliche Einwilligung schriftlich einholen. Dann entfällt eine gesonderte Meldung an ODIN bzw. GVS durch das Unternehmen.

 

Nachgehende Vorsorge:

 

Tumorerkrankungen können auch noch Jahrzehnte nach einer beruflichen Exposition auftreten. Nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge -ArbMedVV- ist nach Beendigung bestimmter Tätigkeiten, bei denen nach längeren Latenzzeiten Gesundheitsstörungen auftreten können, eine nachgehende Vorsorge anzubieten:

 

ArbMedVV § 5 (3)

Der Arbeitgeber hat Beschäftigten sowie ehemals Beschäftigten nach Maßgabe des Anhangs nach Beendigung bestimmter Tätigkeiten, bei denen nach längeren Latenzzeiten Gesundheitsstörungen auftreten können, nachgehende Vorsorge anzubieten. Am Ende des Beschäftigungsverhältnisses überträgt der Arbeitgeber diese Verpflichtung auf den zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger und überlässt ihm die erforderlichen Unterlagen in Kopie, sofern der oder die Beschäftigte eingewilligt hat.

 

Nachgehende Vorsorge wird üblicherweise angeboten:

  • während des Beschäftigungsverhältnisses von den Unternehmen und Einrichtungen,
  • nach Beendigung der gefährdenden Tätigkeit bzw. des Beschäftigungsverhältnisses durch die gesetzliche Unfallversicherung, wenn der Arbeitgeber die Verpflichtung überträgt.

 

Auch im Strahlenschutzrecht ist eine ärztliche Überwachung nach Beendigung der Aufgabenwahrnehmung vorgesehen (§78 Strahlenschutzverordnung).

Hier hat der Strahlenschutzverantwortliche dafür zu sorgen, dass die ärztliche Überwachung mit Einwilligung der betroffenen Person solange fortgesetzt wird, wie es der ermächtigte Arzt zum Schutz der Person für erforderlich hält.

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Seite der BG ETEM, ebenso wie Hinweise zum Personenkreis.

 

Die Unfallversicherungsträger haben für Tätigkeiten mit Exposition gegenüber krebserzeugenden und keimzellmutagenen Gefahrstoffen und für beruflich strahlenexponierte Personen zentrale Dienste eingerichtet, die sicherstellen, dass Beschäftigten und ehemals Beschäftigten auch nach dem Ausscheiden aus einer solchen Tätigkeit unter bestimmten Voraussetzungen arbeitsmedizinische Vorsorge angeboten wird.

 

Weitere Informationen zur nachgehenden Vorsorge erhalten Sie auch beim Betriebsärztlichen Dienst.